Bei den Escapologists handelt es sich um ein Trio aus Nottingham. Zum einen dürfte es da jetzt klingeln, da ja zur Zeit auch Seachange mit ihrem zweiten Album in fast aller Munde sind. Zum anderen ist das auch nicht ganz richtig, denn Drummer Jorge Lerda kommt gebürtig eher aus Argentinien und hat es über den Umweg Paris, wo er Cabaret spielte, nach Nottingham verschlagen.
Aber noch mal einen Schritt zurück, denn angefangen hat die Entstehung der Escapologists mit dem Aufeinandertreffen der beiden Philosophie-Studenten Neil Wells und Pete Fletcher im Jahre 1997. Neil hatte vorher bereits in Deutschland und den Niederlanden gelebt, bevor er sich zwecks Studium zurück nach Nottingham begab. So gründete man auch schnell gemeinsam die Band Noise Cartel. Damals zählte noch Pianist Edward Earl dazu. Diese Band hatte aber nur bis 2000 Bestand und nach einigen diversen anderen Projekten fand man sich erst 2003 wieder zusammen und beschloss, als Escapologists weiter zu machen. Zu diesem Zeitpunkt stieß auch Jorge Lerda als Schlagzeuger dazu. 2004 erschien in Form der „Starlight“-EP das erste musikalische Lebenszeichen. Dieses ist mit dem jetzt erscheinen Debüt-Album „In Free Motion“ aber nicht wirklich vergleichbar, da sich der Stil der Band erst einmal finden musste und Pianist Edward Earl ziemlich schnell nach Erscheinen der EP die Escapologists verließ. Auf dem neuen Album ist er noch auf ‚Favoured Son’ zu hören.
Ende 2004 fing das verbliebene Trio dann im heimischen Studio zu Nottingham an, sich an neue Songs zu machen, wobei der Aufnahmeprozess wohl nicht als komfortabel bezeichnet werden kann. „The process of writing and recording the album I mainly remember as being very sweaty and hot and dark. We did it all in a tiny little room in a basement with no windows and no ventilation”, so Neil Wells. Nach nun knapp zwei Jahren hat “In Free Motion” seine Vollendung erfahren und erscheint am 27. Oktober und damit auf jeden Fall früher als im Mutterland der Band.
Laut Neil handeln die Texte hauptsächlich von allem Unbekannten. Einige Titel thematisieren dabei die Beziehung zur Natur und wie die Menschen ihre Erfahrungen diesbezüglich interpretieren oder wie Menschen ihre Umwelt beeinflussen und sich natürlich auch gegenseitig.
Was haben Bands wie die Escapologists, Seachange und Savoy Grand gemeinsam? Ja, dass sie alle aus Nottingham kommen, wissen wir ja nun, aber bei allen Bands spielt Neil Wells. Seit 2005 ist er bei Seachange für eine Vielzahl von Instrumenten zuständig (Gitarre, Keyboards, Trompete, Percussion, Backing Vocals, etc.), während er sich bei Savoy Grand seit 2003 auf Bass und Trompete beschränkt. Natürlich kann er sich jetzt bei seiner eigenen Band Escapolgists austoben und muss nur noch zwei Mitstreiter konsultieren. Dabei wurden alle Songs mehr oder weniger gemeinsam geschrieben und so verstehen sich die Escapologists auch als gleichberechtigtes Trio, in dem es keinen Frontmann gibt.
„In Free Motion“ umfasst neun Songs, wenn man das Piano-Intro mal nicht mitzählt, bei denen man vielleicht schon mal Anleihen an genannte Bands erkennen kann, aber diese höchstens sehr dezent, denn die Escapologists sind einfach auf einem anderen Trip.
Der Opener ‚starsgoout’ kommt ziemlich getragen daher und weist die Richtung in ein sehr atmosphärisches, homogenes und persönliches Album. Bei ‚the decline and fall’ schalten sie einen Gang hoch und arten fast in post-rockige Eskapaden aus. Mit ‚favoured son’ finden sie dann wieder zurück und so geht das Spiel der eher getragenen und dann wieder up-tempo-mäßigen Titel weiter, bis mit ‚promises’ die Entdeckung der Langsamkeit seinen Höhepunkt erreicht. Reduktion at its best! Erlöst wird man dann von ‚stop!’, dessen Chorus Gitarrist Pete auf dem Fahrrad eingefallen ist. Vielleicht der erste Song, der auf einem Fahrrad geschrieben wurde? Die Entstehung der Songs geschah recht unterschiedlich, denn es können ja schwerlich alle Songs auf dem Fahrrad entstehen. Das fast fröhliche ‚a mistake’ entstand zum Beispiel als elektronischer Track und wurde dann zu einem Band-Song weiter entwickelt. Der unbetitelte Abschluss zeigt nochmals eindrucksvoll, dass „In Free Motion“ von sehr atmosphärischen Songs und einer recht melancholischen Grundstimmung lebt, die Teil der Intensität der Escapologists sind.












