DDUCK032
Who Knew
bits and pieces of a major spectacle

Cover

Veröffentlichung: 21.5.2010

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09.09.2010


whip

„Avantgarde Blues“, so beschreibt Jason Merritt den Stil seines Soloprojekts Whip. Merritt, geboren in New York, hat diesem Moloch mittlerweile den Rücken gekehrt, um von seinen Dämonen und anderen ungesunden Dingen weg zu kommen und wohnt nun im großartigen Portland (Oregon). Bekannt ist er hierzulande sicher eher durch die fünfköpfige, experimentelle Americana-Folk-Band Timesbold, der er als Sänger und Songschreiber vorsteht, die mit „Ill Seen Ill Sung“ gerade ihr drittes Album über Glitterhouse Records veröffentlicht und gerade ihre Tour beendet haben.

„Blues for Losers“ nennt der düster-melancholische Charakter nun sein nach „Song Song“ (2000) und „Atheist Lovesongs To God“ (2003) bereits drittes Solowerk, wobei die ersten beiden hier nicht so richtig veröffentlicht wurden, so dass es quasi auch als Deutschland-Debüt bezeichnet werden könnte.

Im Vergleich zu Timesbold, die sich auszeichnen durch das zu einem bunten Klangfeld geformte Zusammenspiel zahlreicher Instrumente – auch Instrumente, die eigentlich keine sind, wie z.B. der Teekessel - geht Merritt mit Whip den eher reduzierten Weg der akustischen Singer/Songwriter-Kunst. Folk, Blues, Country und Traurigkeit sind die Eckpfeiler des Whip-Fundaments. Merritts Stimme ist etwas Besonderes und sorgt mit unglaublicher Intensität für Gänsehaut und Tränen, die Texte tun ein übriges, so dass man schon ein Faible für Melancholie haben sollte, um sich auf die Wehmut von „Blues For Losers“ einzulassen. Wenn man das aber tut, riecht man das Album förmlich, denn Dunkelheit hat etwas Einzigartiges und Worte wie bloody, graves, widow, shadow, ashes, and bones ziehen einen in die sehr persönlichen Geschichten, dem verletzten Herz und der leidenden Seele von Whip. „My baby studies evil, I study evil too..if you can spare an angel, please do send it down - I’ll just dance this devil around.” (‘Spare Angel’)

Jason Merritt, dessen Stil oft mit Will Oldham aka Bonnie ‚Prince’ Billy verglichen wird, fordert: „Das wirkliche Leben sollte die Musik beeinflussen und nicht umgekehrt“. Beeinflusst vom wirklichen Leben bzw. der Natur wurde Jason, wie er erzählt, durch einen Vogel…was eventuell der Grund dafür war, dass einige seiner Songs wiederholt Begriffe aus der Vogelwelt enthalten, wie ‚wings’, ‚crow’ und ‚eagle’. So hat er einem in ‚Warbler’ sogar einen ganzen Song gewidmet „and it shows up every morning / but you don’t know why“… Dabei beschreibt er, wie ihn ein Vogel beim Kreieren neuer Songs stört. Der Vogel irritiert ihn mit seinen schrägen (Musik-)Lauten eine ganze Weile, bis das Tier sich immer seltener blicken lässt, und schließlich komplett verschwindet. Wahrscheinlich wäre der Vogel Jason nie aufgefallen, hätte er nicht solche ungewöhnlichen Geräusche von sich gegeben. Im Mutterland der Gewehre hätte es doch ein Schuss auch getan!

„Blues for Losers“ hat Merritt in Eigenregie und fast im Alleingang – Stichwort „Bedroom– Production“ aufgenommen. Zusätzlich zu den ursprünglichen elf Songs, enthält das Album noch zwei Bonus Tracks: ‚Wrecking Crew’ (Live-Aufnahme) und ‚White Wedding’ (Billy Idol – Cover)

Als Whip wird er uns dann passenderweise im Herbst die Melancholie lehren!

www.timesbold.net/whip