DDUCK032
Who Knew
bits and pieces of a major spectacle

Cover

Veröffentlichung: 21.5.2010

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09.09.2010


MURDER

Was sollen wir mit einem Namen wie MURDER assoziieren? DevilDuck macht nun Metal der brutaleren Sorte oder ruft gar zum Mord auf? Mitnichten, denn wer das Label kennt, weiß. dass hier eher Songs im Vordergrund stehen und so sind MURDER auch keine Metal-Band, aber nicht weniger extrem auf eine völlig andere Art. Klar könnte jetzt auch vermutet werden, dass MURDER aus Schweden kommen oder zumindest mit Geiselnahmen und sich daraus ergebenden Freundschaften (!) kokettieren, aber auch das entspricht nicht der Tatsache. MURDER sind ein Duo und kommen aus unserem Nachbarland Dänemark, welches in Bezug auf Musik ja zur Zeit eher für Quantität denn für Qualität steht, aber in die eher beliebige oder kopierende Richtung sind MURDER beileibe nicht anzusiedeln. „Stockholm Syndrome“ ist zwar nicht das Debüt-Album von MURDER, hat aber mit dem Debüt „One Year From Now Its My Birthday“ (2005) eigentlich nichts mehr zu tun, denn sowohl die Besetzung als auch die Musik könnten unterschiedlicher schwer sein. MURDER bestehen aus Jacob Bellens (Vocals, Guitar, etc.) und Anders Mathiasen (Guitar, Backing Vocals), die man auch in trauter Zweisamkeit auf dem Cover von „Stockholm Syndrome“ bewundern kann. Dieses Cover ist sicherlich plakativ, aber vielmehr wirkt es irgendwie bedrohlich und an die Filme ihres Landsmannes Lars von Trier (u.a. „Das Fest“) erinnernd. Die beiden Mörder machen bereits seit über 10 Jahren zusammen Musik, aber MURDER in der jetzigen Besetzung und musikalischen Ausrichtung gibt es noch gar nicht so lange. Vielmehr hat sich die Musik, so wie sie jetzt in ihrer Melancholie, Schwere und Schönheit daherkommt, erst nach Erscheinen des Debüts entwickelt. Das Zentrum der Musik bildet vor allem die sehr charakteristische Stimme von Jacob Bellens, die durch Mark und Bein geht und, auch wenn es etwas klischeehaft klingen mag, Gänsehaut erzeugt. Möchte man dieser eindringlichen Stimme allein und im

Dunkeln begegnen? Wenn er über Liebe, Hass, Lügen und Glauben, die Dinge, die das Leben ausmachen, in eindringlichster Weise singt, breitet sich eine wohltuende Schwere aus, die aber durch etwas leichtere Songs wie ‚Applejuice’ oder den „Hit“ ‚When The Bees Are Sleeping’ zumindest zeitweise unterbrochen wird.

Die Musik von MURDER ist zu großen Teilen akustisch und „Stockholm Syndrome“ kommt fast ganz ohne Schlagzeug aus. Dabei sind vielleicht noch am ehesten Parallelen zu Nick Drake oder der Spätphase von Johnny Cash zu erkennen. Auch die Reduziertheit erinnert an einige Werke aus den 70er Jahren, so wurden ‚Sounds Below The Sun’ und ‚Naming The Demon’ mit diversen Musikern, aber nur einem Mikrophon aufgenommen. Neben den Akustikgitarren gesellen sich dann zum warmen, von Madman Frederik „A Kid Hereafter“ Thaae produzierten Instrumentarium, noch Cello, Kontrabass, Posaune, Banjo, Marimba und Glockenspiel, die von verschiedenen Freunden der Band, u.a. Musiker von Under Byen und I Got You On Tape, eingespielt wurden. Letztgenannte Band ist übrigens das andere musikalische Betätigungsfeld von Jacob Bellens.

MURDER paaren auf „Stockholm Syndrome“ ihre nordische Melancholie auf eindrucksvolle Weise mit Americana-Elementen und erschaffen so eine völlig eigene Stimmung, die vielleicht einigen Herbst- und Wintergefühlen entsprechen mag, aber doch viel tiefer in die Welt des Zweifelns führt.

www.myspace.com/murderdk