Miss Li
Etwas mehr als 2 Jahre sind seit dem letzten Album „Dancing The Whole Way Home“ ins Land gezogen und was für andere Künstler normal scheint, ist für Miss Li schon richtig lange, wenn man bedenkt, dass sie ihre ersten drei Alben in ihrer Heimat Schweden innerhalb eines Jahres veröffentlicht hat. Nun predigt sie quasi „Entschleunigung“, auch wenn der Schein hier etwas trügt, denn die letzten zwei Jahre waren doch recht turbulent, da sie in dieser Zeit neben Europa auch in den USA, Latein-Amerika und Japan ausgiebig auf Tour war, eine langwierige Krankheit zu überstehen hatte und den Rest der Zeit zum Schreiben und Aufnehmen der neuen Songs brauchte.
Linda Carlsson hat dies erneut mit dem Gitarristen und Kollaborateur Sonny Boy Gustafsson getan und so das vielleicht homogenste und reifste Werk ihrer bisherigen Karriere erschaffen. Die üblichen Vergleiche à la „schwedische Kate Nash“ hinken immer mehr und der Stilmix von Miss Li ist ein recht umfangreicher, der mit den Attributen Rag Time, Chanson, Jazz, Blues und Pop höchst unzureichend beschrieben ist – letztlich steht trotz der oftmals ernsten Texte SPASS im Vordergrund und das sieht man dieser Band besonders live an.
Was Miss Li in den letzten fünf Jahren erlebt und erreicht hat, reicht bei einigen für ein ganzes Musikerleben und dabei wäre sie uns fast in Richtung Profisport verloren gegangen. Nun fungierte ‚Oh Boy’ statt dessen im Kombi-Trailer für „24“ und „Lost“, ‚Don’t Try To Fool Me’ ist Bestandteil der US-Serien „Grey’s Anatomy“ und „Weeds“ und vor drei Jahren wurde sie für den schwedischen Grammy in der Kategorie „best female artist“ nominiert.
Der musikalische Spaß von Miss Li steht auch auf „Beats & Bruises“ öfter in krassem Gegensatz zu den Texten. So ist der Opener ‚Devil’s Taken Her Man’ eine tragische Geschichte über einen Mann, der seine Frau schlägt und dem entsprechend klang der Song anfangs mehr nach einem Blues, hat sich im Laufe der Aufnahme aber zu einem Pop-Song entwickelt. Bei ‚My Man’ zeigt die Dame des Hauses den Frauen mal wieder ihre Krallen, denn selbst wenn diese besser aussehen mögen, bekommen sie ihren Lover noch lange nicht. Das melancholische ‚Shoot Me’ handelt dagegen von der vermeintlich schwersten Zeit in Lindas Leben, denn im letzten Jahr war sie 6 Monate lang so krank, dass sie nicht mal mehr gehen konnte. Dieser Song thematisiert den körperlichen und psychischen Schmerz sowie die damit einher gehenden Tests und unzähligen Medikamente.
‚Arrested’ erklärt die Dame am besten selbst: „I got arrested..this is actually a true bizarre story. I was walking home from a bar in the middle of the night and got arrested for peeing on the street. The cops put their sirens on and kinda blocked the whole street. I couldn´t believe my eyes. A little girl like me, peeing on the street.. Don´t the task-force have better and more important things to do? It got expensive..
I just had to write a song about it...“ Im abschließenden ‚Are You Happy Now’ fragt sie sich und andere Frauen dann, ob sie wirklich happy sind und das Leben leben, das sie sich vorgestellt haben.